Die Gebäude des heute noch in den Grundzügen präsenten Hochschlosses legen sich wir ein Riegel quer über den großen inneren Schlosshof.

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Der Turm erhielt eine malerische, achtseitige, geschieferte, barocke Dachhaube – dem Geschmack der Zeit entsprechend. Das ursprüngliche pyramidale Dach wurde entfernt, gleichfalls die Zinnenumwehrung.

Dem Turm als Zentralbau wurde ein zweistöckiger Torbau, ein Portikus, vorgesetzt. Er ruht auf den Grundmauern des Zwingers, der bauzeitgleich mit dem Turm entstanden sein könnte. Die Blende zur Aufnahme der hochgeklappten Zugbrücke ist noch im obigen Stich ablesbar.  Damit dürfte zumindest der Ursprung, evtl. das vollständige Untergeschoss des Portikus aus Sandstein zu den frühen Wehranlagen zählen und bauzeitlich evtl. schon im 14. Jahrhundert entstanden sein.

Der Oberbau des Portikus bestand aus Backstein. Das Tor, spitzbogig und von rechteckiger Blende eingeschlossen, hielt sich formal an die ursprüngliche Torform des Turmes selber. Der Oberbau zeigte große rechteckige Fenster, über dem Portal befand sich eine Blende mit Muschelabschluss (Rocaille). Der Portikus ist 1896 abgebrochen wurden.

An den Turm schlossen sich schon ursprünglich die Wohn- und Wirtschafträume, möglicherweise teilweise in Lehmfachwerk, an. Im Zuge von insgesamt sechs Umbauphasen in der jahrhundertelangen Geschichte des Schlosses (siehe Ausarbeitung Dr. Dohmen) modifizierte sich die Ausgestaltung der Schlossgebäude immer wieder. Die fünfte und wichtigste Umbauphase war die Barockumgestaltung. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es eine letzte Änderung (Westwand des Gülich, siehe unten). Dann war lange Ruhe. Ein nennenswerter Verfall des Schlosses setzte ein.

Zu den einzelnen Bauschritten:

Es folgt dem Turm ein Trakt von Backsteinen mit großen durchgeführten Blenden (der Gülich). Diese Blendenfassade dürfte nach neueren Erkenntnissen einer späten Bauphase des 19. Jahrhunderts angehört haben und muss dem Ersatz der vorher an gleicher Stelle befindlichen früheren, abgängigen Wand gedient haben. Weiter nach Norden schliesst sich ein zweistöckiger Bau an, der dem Ende des 17. Jahrhunderts angehört (Vogelsang), im Unterbau ganz aus Sandstein, im Oberbau aus Backstein errichtet. Die beiden Gebäude, Gülich und Vogelsang, waren durch eine Wand mit abgetrepptem Renaissance-Giebel getrennt. Der Vogelsang ist nach 1896 in Folge Vernachlässigung abgängig, es stehen jedoch heute noch zwei der drei Außenwände mit den originalen Fensteröffnungen bis in das zweite Obergeschoss auf, die ehemalige Außentreppe vom Schlosshof aus ist gleichfalls noch vorhanden.

Der Wiederaufbau des Vogelsang ist heute, 2012, im Rohbau abgeschlossen. Aus archäologischen Untersuchungen bei Arbeiten am Kellergeschoss des Vogelsang sind Fundamentmauern früherer Gebäude bekannt geworden, die darauf schliessen lassen, dass nördlich vom Turm, an diesen anschliessend, der ursprüngliche Palas angeordnet war. Auch liessen sich Spuren einer schräg zum Palas verlaufenden Wand aufdecken, die die Vorläuferin der heutigen Burgmauern gewesen sein könnte.

Ein kleiner, niedriger Backsteinbau mit Walmdach, nach der Überlieferung die ehemalige Küche, möglicherweise aber in der frühesten Phase ein weiterer nach Westen zum Schutz des Zwingers vorgelagerter Wehrturm, sitzt vor Vogelsang und Gülich – oben mit Fenstern, unten nur mit Scharten versehen – „als Krönung unter eigenem Dächelchen eine Schelle“ (heute wieder aufgebaut). Dem Gülich tritt nach dem Schlosshof zu ein Treppenhaus vor, im sog. Ostflügel untergebracht – außen mit breiten Pilastern versehen -, das innen eine stattliche Treppe mit Balustergeländer enthält.

tl_files/bilder_geschichte/geschichte_4.jpgRechts vom Turm steht der sog. Rittersaal.
Die Benennung dürfte nicht dem ursprünglichen Funktionszweck entsprechen. Auch die überlieferte Verwendung als Brauhaus entspringt eher dem 18. oder 19. Jahrhundert. Nach langen Jahrzehnten der Vernachlässigung ist das Gebäude heute immer noch in Resten aufstehend - mit wesentlichen erhaltenen baulichen Details sowie den im Kellerbereich befindlichen Gewölbekellern. Ansonsten ist es verfallen. Es war als ein großer zweistöckiger Trakt von acht Achsen ganz aus Backstein ausgeführt, das Dach nach Westen abgewalmt, nach Osten mit einem Fachwerkgiebel abgeschlossen. Die dem Schlosshof zugewandte Seite zeigt dieselbe Architektur wie die nachfolgend erwähnte alte Pfarrkirche im Dorf. Als Teil des Rittersaals bzw. unter gleichem Dach befindlich ist der Fluchtstall zu erwähnen - ein vorne zum Turm hin angelegter, in Fachwerk ausgeführter Gebäudeteil, der ursprünglich im Erdgeschoss (kleine Zugangspforte von außen heute immer noch erhalten, wohl zur Zeit vermauert) der Unterbringung des Viehs der Dorfbevölkerung in Notzeiten (Flucht in den Schutz der Burg) diente, und der von der Anlage her wohl noch zeitlich vor die Barockbauten einzuordnen sein dürfte. Interessant ist auch ein im Fluchtstallbereich befindlicher Mauerrest, der als Rest der ursprünglich rechts vom Turm abgehenden Außenmauer anzusehen ist und sehr viel früher, in Sandsteinquadern ausgeführt, zu den ersten Verteidigungsmauern gehören wird.

tl_files/bilder_geschichte/geschichte_5.jpgBauherr der Gesamtheit der barocken Umbauten war der Burgvogt Herman Damian Nideggen, mit Initialen und dem Jahr 1708 in einem Türsturz (Ostflügel) verewigt. Derselbe war auch verantwortlich für die Errichtung der in ähnlichem Baustil gehaltenen Kapelle im Ort nahe beim Mühlenturm, in der er auch, mitsamt Gattin, beerdigt ist.

Die Vorburg präsentiert sich heute als gärtnerisch genutztes bzw. verwildertes Areal. Ursprünglich, in spätmittelalterlicher Zeit, ist von einer recht dichten Besiedelung dort auszugehen (siehe oben). Aus dem Urkataster von 1810 lässt sich immer noch ein recht großes Wirtschaftsgebäude ablesen, dazu noch ein Weiher, einer von mehreren im Dorfgebiete Liedbergs. 5

Einer Baumassnahme des Jahres 2008 entstammt die Bauhütte, ein Eichenfachwerkbau nach der Vorlage eines Holzlagerschuppens aus der Region, der in dieser Form im Jahre 1896 errichtet worden war. Das Gebäude dient als Wirtschaftsgebäude.

Die Zuwegung zum Schloss besteht bis heute aus einem der seinerzeit in Liedberg üblichen Wege aus einer festgewalzten Kies-/Basaltschicht mit tiefen, aus groben Steinen gepflasterten Rinnen und führt in dieser Form bis unter die Tordurchfahrt im Turm, dort dann etwas besser gepflastert.

Nach langen Jahren der Vernachlässigung wurde erst ab dem Jahre 2007 erneut und grundlegend der Wiederaufbau des teilweise ruinösen Gebäudeensembles betrieben. Bauherr dieser letzten aktuellen Massnahmen, die sich über 10 Jahre erstrecken werden, ist Peter Overlack. Ein netter Kerl übrigens.


Von Peter Overlack, 2007, 2008 und 2012.